CBD ist im Stall angekommen. Was vor wenigen Jahren noch eine Randerscheinung war, gehört heute für viele Pferdebesitzer zur selbstverständlichen Hausapotheke: ein paar Tropfen CBD Öl vor dem Verladen, bei nervösen Turniertagen, gegen die steifen Morgen eines älteren Wallachs oder zur Unterstützung bei Headshaking. Gleichzeitig hinkt die Forschung den Erfahrungswerten hinterher. Es gibt kein fertiges Pferde-Rezept aus der Tierklinik, keinen offiziellen Dosierungsplan und nur wenige Studien direkt am Pferd. Was es gibt, ist eine belastbare Basis an Biologie und ein wachsender Korpus an Belegen aus verwandten Säugetierarten.
Dieser Beitrag ordnet die Lage sachlich ein. Er erklärt, warum Pferde ein voll funktionsfähiges Endocannabinoidsystem besitzen, bei welchen Alltagsthemen CBD sinnvoll sein kann, wie Dosierung und Verabreichung in der Praxis gelingen, worauf Besitzer von Sport und Turnierpferden besonders achten müssen und wann der Tierarzt mit am Tisch sitzen sollte. Alle wissenschaftlichen Aussagen sind am Ende des Artikels einzeln belegt.
Inhaltsverzeichnis
- CBD für Pferde: Was dahintersteckt
- Das Endocannabinoidsystem des Pferdes
- Bei welchen Themen Pferdebesitzer CBD einsetzen
- Welches CBD Produkt passt zu welchem Pferd
- Dosierung: Schritt für Schritt zum Richtwert
- Verabreichung im Stall: drei Wege, die funktionieren
- Sport und Turnierpferde: die Dopingfrage
- Was die Wissenschaft aktuell sagt
- Verträglichkeit und wann der Tierarzt dazugehört
- Häufige Fragen
- Fazit
- Quellen und Studien
CBD für Pferde: Was dahintersteckt
Cannabidiol, kurz CBD, ist ein nicht berauschender Wirkstoff aus der Hanfpflanze. Im Gegensatz zu THC verändert er weder die Wahrnehmung noch das Verhalten im Sinne eines Rauschs, weder beim Menschen noch beim Pferd. Er wirkt auf ein körpereigenes Regulationssystem, das bei allen Säugetieren fast identisch aufgebaut ist und das Balance zwischen Erregung und Ruhe, zwischen Entzündung und Heilung, zwischen Appetit und Sättigung mitregelt. Dieses System heißt Endocannabinoidsystem, oder kurz ECS.
Für Pferdebesitzer ergibt sich daraus ein einfacher Gedanke: Wenn dasselbe ECS, das bei Menschen auf CBD reagiert, auch beim Pferd vorhanden ist, sollte CBD auch dort ähnliche modulierende Effekte entfalten können. Die Biologie dazu ist inzwischen gut dokumentiert 1, die pharmakokinetischen Eckdaten für Pferde sind solide vermessen 2, und das Sicherheitsprofil ist aus menschlichen und tiermedizinischen Daten bekannt 7. Was fehlt, sind große klinische Wirksamkeitsstudien direkt am Pferd. Dieser Artikel macht transparent, wo der Stand des Wissens hart ist, wo er weicher wird und wo wir auf Erfahrungsberichte und Übertragung aus verwandten Arten angewiesen sind.
Das Endocannabinoidsystem des Pferdes
Pferde besitzen ein voll funktionsfähiges Endocannabinoidsystem. Das ist nicht Spekulation, sondern seit Anfang der 2020er Jahre histologisch belegt. Eine italienische Forschergruppe um Chiocchetti an der Universität Bologna hat in mehreren aufeinander folgenden Studien CB1 und CB2 Cannabinoid Rezeptoren sowie die zugehörigen Co Rezeptoren TRPA1, TRPV1, GPR55 und PPARalpha in zentralen Geweben des Pferdes nachgewiesen: im Ileum, also dem unteren Dünndarm 1, in den dorsalen Wurzelganglien des Rückenmarks, im Trigeminusganglion und im Huf. Das ist keine Randbeobachtung, sondern die anatomische Grundlage für alles, was darauf folgt.
Der Pacher und Kunos Review aus dem FEBS Journal bleibt bis heute der Standardbezug für die Funktion dieses Systems bei Säugetieren 5. CB1 Rezeptoren dominieren im Nervensystem und regeln Schmerz, Stressantwort und Motorik. CB2 Rezeptoren sitzen überwiegend auf Immunzellen und steuern Entzündungsreaktionen. Wenn CBD modulierend auf diese Rezeptoren wirkt, greift es nicht auf einen einzelnen Hebel, sondern auf ein vernetztes Regelwerk zu. Das erklärt, warum dieselbe Substanz bei so unterschiedlichen Themen wie Stress vor dem Verladen, Gliederschmerzen bei Arthrose und Hautreizungen ins Gespräch kommt.
Zur Einordnung: Pferde sind Flucht und Herdentiere mit einem besonders sensiblen limbischen System. Jüngere equine Studien zeigen, dass CB1 und CB2 Rezeptoren auch im lateralen Kern der Amygdala des Pferdes exprimiert werden, also genau dort, wo Angst, Schreckreflex und Stressantwort verschaltet werden. Das ist keine Heilsversprechung, sondern das biologische Fundament, auf dem die oft berichtete Beruhigung unter CBD überhaupt plausibel wird.
Bei welchen Themen Pferdebesitzer CBD einsetzen
In der Praxis tauchen CBD Tropfen bei einer recht konstanten Liste von Alltagsthemen auf. Die Reihenfolge spiegelt grob wider, was in Pferdeforen, auf Turnieren und in der Boxengasse tatsächlich diskutiert wird.
| Typische Situation | Was dahintersteht |
|---|---|
| Stress, Nervosität, Verladeprobleme | Der anxiolytische Effekt von CBD ist über 5 HT1A Serotoninrezeptoren und CB1 Modulation dokumentiert 6. Bei Pferden mit ausgeprägter Schreckhaftigkeit oder saisonaler Unruhe sind das die am häufigsten genannten Anwendungen. |
| Gliederschmerzen und Arthrose | In der verwandten Säugetierart Hund hat eine placebokontrollierte Studie an 16 Osteoarthrose Patienten gezeigt, dass 2 mg CBD pro kg zweimal täglich Schmerz Scores und Aktivität messbar verbesserten 3. Die Übertragung auf das Pferd ist naheliegend, weil auch im equinen Metacarpophalangealgelenk CB1, CB2, TRPV1 und PPARalpha nachgewiesen sind. |
| Muskelverspannungen und Rückenthemen | CBD wirkt über die entzündungshemmende Achse des ECS und die Regulation der Arachidonsäure Synthese, was in einer Studie an Trainingspferden nach oraler Gabe messbar nachweisbar war 2. |
| Magen, Darm und Kotwasser | Die Verteilung von CB1 und CB2 Rezeptoren im equinen Ileum, auf Epithelzellen, enterischen Nervenzellen und Immunzellen, liefert die anatomische Begründung dafür, warum CBD bei verdauungssensiblen Pferden ein Thema ist 1. |
| Headshaking | Das idiopathische Headshaking Syndrom wird als trigeminale Neuralgie aufgefasst. Im Trigeminusganglion des Pferdes sind CB1 und CB2 Rezeptoren nachgewiesen, was CBD zu einem mechanistisch sinnvollen Kandidaten macht. Klinische Wirksamkeitsstudien fehlen, Fallberichte aus dem europäischen Raum sind aber konsistent. |
| Fell und Hautthemen | Sowohl im Pferdefell als auch in der equinen Haut sind Cannabinoid Rezeptoren exprimiert. Das spiegelt die breitere Rolle von CB2 in der Regulation von Hautentzündungen wider 5. |
Wichtig bleibt die Sprache. CBD ist weder Schmerzmittel noch Beruhigungsspritze, sondern ein Modulator im System. Das heißt: Es kann helfen, eine Ausgangslage zu verbessern, es ersetzt aber keinen Hufschmied, keine Osteopathie, keine NSAR bei akuter Lahmheit und schon gar keine Notfalltherapie.
Bei spezifischen Themen wie Headshaking oder dem Equine Cushing Syndrom ist die tierärztliche Diagnose die Pflicht, die CBD Ergänzung kann dann als Teil eines Gesamtkonzepts mit dem behandelnden Tierarzt besprochen werden.
Welches CBD Produkt passt zu welchem Pferd
Bei Pferden gibt es drei wiederkehrende Fragen: Vollspektrum oder Isolat? Welche Konzentration? Welches Trägeröl? Die Antworten sind unspektakulär, sobald man die Physiologie ernst nimmt.
Isolat oder Vollspektrum
Für die meisten Pferde ist ein THC freies, breitspektrum oder isolatbasiertes CBD Öl die pragmatische Wahl. Das hat zwei Gründe. Erstens: Auch wenn THC im industriellen Hanföl nur in Spurenmengen vorkommt, ist es bei Sport und Turnierpferden ein Dopingrisiko, auf das wir im Abschnitt zum Turniersport zurückkommen. Zweitens: Pferde sind im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht recht stressempfindliche Tiere, und das klassische Argument für den Entourage Effekt aus dem Vollspektrum greift hier weniger als bei Menschen. Vollspektrum Öle können sinnvoll sein, wenn ein Pferd auf THC freie Präparate nicht anspricht und keine Turnierteilnahme geplant ist.
Konzentration und Trägeröl
Für Pferde zwischen 450 und 650 kg Körpergewicht sind 5 bis 10 Prozent Öle in der Praxis der Standard. Höhere Konzentrationen wirken rechnerisch günstig, erlauben aber nur schwer die präzise Abstufung, die am Anfang wichtig ist. Als Trägeröl sind für Pferde besonders Sesamöl und MCT Öl auf Kokosbasis gebräuchlich, weil sie gut vertragen werden, wenig Eigengeschmack mitbringen und die Bioverfügbarkeit des fettlöslichen CBD verbessern.
Bio CBD Öl für Tiere 5 und 10 Prozent
THC und terpenfreies CBD auf Sesamöl Basis, milder Geschmack, leicht dosierbar. Zertifizierte Bio Qualität für Hunde, Katzen und Pferde. Verfügbar in 5 Prozent (500 mg) und 10 Prozent (1000 mg) je 10 ml Flasche.
Dosierung: Schritt für Schritt zum Richtwert
CBD beim Pferd richtig zu dosieren heißt, mit einem konservativen Einstiegswert zu beginnen und über ein bis zwei Wochen kontrolliert anzupassen. Die in Pferdekreisen am häufigsten zitierte Orientierung liegt zwischen 0,1 und 0,5 mg CBD pro kg Körpergewicht pro Tag, verteilt auf ein oder zwei Einzelgaben. Das ist ein Richtwert, kein Dogma.
| Pferd | Einstieg pro Tag | Erhaltung bei Bedarf |
|---|---|---|
| Kleines Pony, 250 kg | 25 bis 30 mg CBD | bis 75 mg CBD |
| Kleines Warmblut, 450 kg | 45 bis 50 mg CBD | bis 135 mg CBD |
| Warmblut, 550 kg | 55 bis 60 mg CBD | bis 165 mg CBD |
| Großpferd, 700 kg | 70 bis 80 mg CBD | bis 210 mg CBD |
Bei einem 10 Prozent Öl entspricht 1 Tropfen ungefähr 2,5 mg CBD. Für ein 550 kg Pferd heißt der Einstieg also rund 22 bis 24 Tropfen eines 10 Prozent Öls verteilt über den Tag. Bei einem 5 Prozent Öl verdoppelt sich die Tropfenzahl entsprechend. Klingt nach viel, ist es in der Praxis nicht, weil viele Pferdebesitzer mit der Hälfte dieser Werte beginnen und erst bei Bedarf nach oben titrieren.
Realistische Erwartung: Ausgeprägte Effekte bei Stress oder Schmerz zeigen sich selten in den ersten 48 Stunden. Zwei Wochen konstante, tägliche Gabe sind ein sinnvoller Beobachtungsrahmen, bevor man Dosis oder Produkt infrage stellt. Pferde reagieren individuell, und die orale Bioverfügbarkeit von CBD ist bei Pferden niedriger als bei Hunden oder Menschen, was einen Teil der Varianz erklärt 2.
Drei Schritte für den Einstieg
- Woche 1: Einstiegsdosis gemäß Tabelle einmal täglich am Abend. Beobachten, wie Schlafverhalten, Boxenruhe und Verhalten auf dem Putzplatz sich verändern.
- Woche 2: Falls das Pferd ansprechbar, aber die gewünschte Ruhe noch nicht erreicht wird, auf zwei Gaben pro Tag splitten oder Einzeldosis um 25 bis 50 Prozent erhöhen.
- Dauerhaft: Festes Ritual etablieren. Tropfenanzahl schriftlich festhalten und bei Bedarf in Absprache mit dem Tierarzt anpassen. Konsistenz über Wochen ist wichtiger als punktuell hohe Einzeldosen.
Verabreichung im Stall: drei Wege, die funktionieren
Die Verabreichung ist der unterschätzte Erfolgsfaktor. Ein Pferd, das sich beim Tropfen in der Box verweigert, wird die Studie nicht wiederholen. Drei Methoden haben sich in der Praxis bewährt, und alle drei sind mit dem Bio CBD Öl für Tiere problemlos umsetzbar.
Direkt ins Maul über die Schleimhaut
Die pharmakokinetisch beste Option. Die Tropfen werden mit der Pipette seitlich hinter die Zähne auf die Wangenschleimhaut gegeben. Ein Teil des CBD wird dort direkt resorbiert und umgeht den ersten Leberdurchgang. Der Rest wird wie bei oraler Gabe verarbeitet. Nachteil: Nicht jedes Pferd akzeptiert die Pipette ohne Training. Hier lohnt sich der Aufbau über wenige Tage mit einer leeren Pipette und einer Belohnung.
Auf die Futterration
Die einfachste und am häufigsten genutzte Methode. Die Tagesdosis wird über die Ration gemüst oder in ein kleines Mash getropft. Vorteil: Null Stress für Pferd und Besitzer. Nachteil: Etwas geringere Bioverfügbarkeit, weil der Erstpasseffekt in der Leber voll greift. Wer über ein aktiv arbeitendes Pferd spricht, das die Ration verlässlich aufnimmt, wird mit dieser Variante am konsistentesten durchkommen.
Auf ein Stück Apfel, Möhre oder Leckerli
Die Alltagsvariante für zwischendurch. Ein Stück Apfel oder Möhre wird mit der Dosis beträufelt und nach einer kurzen Einwirkzeit verfüttert. Funktioniert gut für einzelne Gaben vor Anhängerverladung, Hufschmied oder Tierarzttermin. Für die Dauertherapie eignet sich diese Methode weniger, weil die exakte Dosiskontrolle schwieriger ist.
Vor einem Turniertag oder Hufschmied Termin: Mindestens 45 bis 60 Minuten vor dem Ereignis dosieren. Der maximale Plasmaspiegel von CBD nach oraler Gabe beim Pferd liegt je nach Formulierung und Trägeröl bei 1 bis 4 Stunden 2. Wer erst beim Aufladen dosiert, ist pharmakokinetisch zu spät.
Sport und Turnierpferde: die Dopingfrage
Hier wird aus der Ergänzung ein regulatorisches Thema. Wer mit seinem Pferd auf FEI, Deutscher Reiterlicher Vereinigung oder Österreichischen Olympischen Reiterbund Turnieren startet, muss die Dopingregeln im Blick haben. Die Lage bei CBD und Cannabinoiden ist kein Wunschkonzert, sondern eindeutig: Cannabinoide, inklusive CBD selbst sowie seine Metaboliten 7 OH CBD und 7 COOH CBD, sind in den meisten Regelwerken kontrollierte oder verbotene Substanzen.
Entscheidend ist dabei eine pharmakokinetische Eigenart des Pferdes. In mehreren equinen Studien wurde gezeigt, dass der Metabolit 7 COOH CBD deutlich länger im Plasma und im Urin nachweisbar bleibt als CBD selbst. In einer Modellierungsarbeit zur Dopingkontrolle lag die terminale Halbwertszeit nach wiederholter oraler Gabe im Serum bei rund 160 Stunden. Das heißt im Klartext: Eine CBD Gabe am Abend vor dem Turnier kann noch Tage später zu einem positiven Befund führen.
Für Sport und Turnierpferde: Wer an regulierten Wettkämpfen teilnimmt, plant CBD Gaben mit großen Sicherheitsabständen oder verzichtet in Wettkampfphasen ganz. Die FEI führt Cannabidiol auf der Liste der kontrollierten Medikationssubstanzen, und die Deutsche Reiterliche Vereinigung verweist auf analoge nationale Regelungen. Die verbindliche Auskunft holen Sie bei Ihrem Turniertierarzt und in der jeweils aktuellen Fassung der Anti Doping und Medikationskontroll Regeln ein. Diese Orientierung ersetzt keine rechtliche Beratung.
Für Freizeitpferde und Pferde im privaten Bewegungsprogramm ist die Dopingfrage hingegen irrelevant. Hier entscheidet der Besitzer in Absprache mit dem Tierarzt, ob und wie CBD eingesetzt wird.
„CBD ist beim Pferd keine Wundersalbe, sondern eine Ergänzung, die im Alltag genau da hilft, wo das Nervensystem überdreht oder die Regeneration stockt. Entscheidend sind drei Dinge: ein sauberes Produkt, eine niedrige Einstiegsdosis und die Geduld, dem Pferd zwei Wochen Zeit für die Anpassung zu geben. Bei Sportpferden gehört die Dopingfrage zum Gespräch, bevor der erste Tropfen fällt."
Was die Wissenschaft aktuell sagt
Die direkte Studienlage zum Pferd ist überschaubar, aber nicht leer. Drei Ebenen sind hier zu unterscheiden, und genau diese Transparenz fehlt in vielen Artikeln zum Thema.
Anatomie und Pharmakokinetik beim Pferd
Die equinen Grundlagenarbeiten der Bologna Gruppe haben das ECS des Pferdes systematisch kartiert, vom Ileum 1 über Trigeminusganglion und dorsale Wurzelganglien bis zur Synovialmembran und zum Huf. Die pharmakokinetischen Studien an Voll und Warmblütern sowie an Senior Pferden beschreiben CBD als gut verträglich, mit einem großen Verteilungsvolumen und einer dosisabhängigen, aber vergleichsweise niedrigen oralen Bioverfügbarkeit 2. Letzteres ist klinisch relevant: Es erklärt, warum Pferde pro Kilogramm Körpergewicht zwar weniger CBD brauchen als der naive Dreisatz vermuten lässt, die absolute Tropfenzahl bei großen Tieren aber dennoch merklich höher liegt als bei Hund oder Katze.
Wirksamkeit aus verwandten Großsäugern
Klinische Wirksamkeitsbelege für CBD stammen in der Veterinärmedizin fast ausschließlich aus der Hundeforschung. Zwei Arbeiten sind hier das Fundament. Gamble und Kollegen an der Cornell University zeigten in einer placebokontrollierten Cross Over Studie, dass 2 mg CBD pro kg zweimal täglich über vier Wochen Schmerz Scores und Aktivität bei Osteoarthrose Hunden signifikant verbesserten 3. McGrath und Kollegen an der Colorado State University wiesen im JAVMA in einer randomisierten, verblindeten, placebokontrollierten Studie nach, dass CBD zusätzlich zur konventionellen Antiepileptika Therapie bei Hunden mit idiopathischer Epilepsie die monatliche Anfallsfrequenz um median 33 Prozent reduzierte 4. Beides sind Hundestudien. Die Übertragung auf das Pferd geschieht über die geteilte ECS Architektur, nicht über direkte Messung am Pferd.
Sicherheitsprofil und anxiolytische Mechanismen
Für die beiden Themenkomplexe Sicherheit und Angst ist die Übertragung aus dem Humanbereich gut belegt. Der Sicherheitsreview von Iffland und Grotenhermen fasst die klinischen und präklinischen Daten zusammen: CBD hat kein Missbrauchs und kein Abhängigkeitspotenzial, keine psychoaktiven Effekte, und die häufigsten Nebenwirkungen in moderaten Dosen sind milde Müdigkeit und gelegentlich weicher Kot 7. Die anxiolytische Wirkung läuft pharmakologisch über 5 HT1A Serotoninrezeptoren und CB1 Modulation im limbischen System 6, und genau dieses System ist beim Pferd laut den jüngsten Arbeiten in der Amygdala nachweisbar.
Verträglichkeit und wann der Tierarzt dazugehört
CBD ist bei korrekter Dosierung ein sehr sicherer Wirkstoff. In den klinischen Studien bei Hund und Mensch sind die dokumentierten Nebenwirkungen überschaubar: leichte Müdigkeit, gelegentlich weicher Kot, bei höheren Dosen reversible Erhöhungen der Leberwerte, vor allem der alkalischen Phosphatase 4. Letzteres ist der eigentliche Grund, warum ein Tierarzt bei dauerhafter Anwendung oder bei höheren Dosen mit am Tisch sitzen sollte.
In diesen Situationen unbedingt tierärztlich abklären
- Pferde mit bestehender Medikation, insbesondere Phenylbutazon, Firocoxib, Antiepileptika oder Schilddrüsenmedikation. CBD hemmt in höheren Dosen Leberenzyme der Cytochrom P450 Familie und kann theoretisch die Metabolisierung anderer Wirkstoffe beeinflussen 7.
- Trächtige oder laktierende Stuten. Hier fehlen belastbare Daten, und das Vorsorgeprinzip gilt.
- Fohlen und Jungpferde unter drei Jahren, weil weder Dosierungsdaten noch Sicherheitsdaten für diese Altersgruppe vorliegen.
- Pferde mit vorbekannten Lebererkrankungen, weil CBD über die Leber metabolisiert wird und reversible Leberwertanstiege in Studien an Hunden und Menschen dokumentiert sind.
- Sport und Turnierpferde, wegen der Dopingregelungen. Hier entscheidet der Turniertierarzt über Zeitpunkt, Dosis und Absetzen vor Wettkampfphasen.
Bei gesunden Pferden im Freizeitbereich, die kein Turnier laufen und keine Dauermedikation bekommen, ist CBD mit einem guten Sicherheitsprofil eine pragmatische Ergänzung. Bei allem darüber hinaus gilt: Tierarzt einbeziehen, Dosis und Dauer dokumentieren, Effekt ehrlich beobachten.
Häufige Fragen
Wie verabreiche ich meinem Pferd CBD Öl am einfachsten?
Für Dauertherapien ist die einfachste Variante, die Tagesdosis über das Kraftfutter oder ein kleines Mash zu tropfen. Das Pferd nimmt sie unkompliziert auf, die Dosis bleibt kontrollierbar. Pharmakokinetisch etwas günstiger ist die Gabe mit der Pipette seitlich auf die Wangenschleimhaut, weil ein Teil des CBD dort direkt in den Blutkreislauf resorbiert wird. Diese Methode verlangt aber eine kurze Trainingsphase, in der das Pferd die leere Pipette mit Belohnung verbindet. Für einzelne Situationen wie Verladen, Hufschmied oder Turniertransport eignet sich die Gabe auf einem Stück Apfel oder einer Möhre gut. Welche Variante am besten passt, hängt mehr vom Charakter des Pferdes als von der Pharmakologie ab. Wichtig ist in allen Fällen, die tatsächlich verabreichte Tropfenzahl zu notieren und konstant zu halten.
Ist CBD bei Sport und Turnierpferden erlaubt?
Nein, nicht im regulierten Wettkampf. Die Fédération Equestre Internationale und die angeschlossenen nationalen Verbände führen Cannabidiol und seine Metaboliten als kontrollierte Medikationssubstanzen. Für ein Turnier getestete Pferde bedeutet das: Eine CBD Gabe in der Wettkampfphase ist regelkonform nur mit großem Sicherheitsabstand oder gar nicht möglich. Die Besonderheit beim Pferd ist, dass der Metabolit 7 COOH CBD deutlich länger nachweisbar bleibt als CBD selbst. Nach wiederholter Gabe kann die terminale Halbwertszeit im Serum rund 160 Stunden erreichen. Das heißt in der Praxis, dass eine CBD Gabe Tage vor dem Turnier noch zu einem positiven Befund führen kann. Wer mit seinem Pferd regulär an Turnieren teilnimmt, plant mindestens zwei Wochen Karenz vor Wettkampfterminen und holt die verbindliche Auskunft bei Turniertierarzt und aktueller Fassung der Anti Doping Regeln ein. Im Freizeitbereich ohne Verbandsstart ist die Dopingfrage dagegen nicht relevant.
Wie erkenne ich, dass CBD bei meinem Pferd wirkt?
Die Signale sind subtil und entwickeln sich selten über Nacht. In den ersten ein bis zwei Wochen lohnt es sich, auf drei Ebenen zu achten. Erstens auf Ruhe in der Box: geringere Unruhe beim Füttern, weniger Hin und Hergehen, gleichmäßigeres Dösen in den Pausen. Zweitens auf Alltagssituationen, die dem Pferd vorher schwerfielen: das Anhängerverladen, der Hufschmied Termin, die Fremdreiterstunde, das Ausreiten mit einem neuen Partner. Drittens auf körperliche Anzeichen: weniger Anlaufschmerz beim ersten Schritt aus der Box, weichere Muskulatur nach der Arbeit, bessere Rittigkeit im Rücken. Es ist nützlich, vor Beginn der CBD Gabe zwei oder drei konkrete Szenarien aufzuschreiben, die man beobachten will, und nach zwei Wochen ehrlich zu vergleichen. Wenn sich in keinem dieser Szenarien eine Veränderung zeigt und das Pferd die Dosis verlässlich aufnimmt, ist eine moderate Dosiserhöhung oder ein Produktwechsel der nächste logische Schritt. Bleibt die Wirkung nach drei Wochen aus, ist die ehrliche Antwort, dass CBD bei diesem konkreten Pferd für das konkrete Thema möglicherweise nicht die richtige Ergänzung ist.
Kann ich CBD Öl auch meinem älteren Pferd geben?
Ja, und genau bei Senior Pferden ist der Einsatz oft besonders sinnvoll. Ab etwa Mitte zwanzig steigen Arthrose, Muskelabbau und Rückenthemen bei vielen Pferden merklich an, und das ECS moduliert genau diese Felder. Eine pharmakokinetische Studie an acht Seniorpferden hat gezeigt, dass CBD bei dieser Altersgruppe nach oraler Gabe gut verteilt wird und sowohl bei oraler als auch bei intravenöser Gabe gut verträglich war. Praktisch heißt das: Der Einstieg erfolgt wie beim jüngeren Pferd im Bereich um 0,1 mg pro kg und Tag und wird vorsichtig nach Bedarf angepasst. Zwei Dinge sind beim älteren Pferd zu beachten. Erstens: Die Leberfunktion nimmt mit dem Alter ab, daher sind regelmäßige Leberwertkontrollen bei Dauergabe sinnvoll. Zweitens: Viele Senior Pferde stehen bereits auf Dauermedikation, etwa Phenylbutazon oder Pergolid bei Cushing. Hier gehört die Kombination in die Hand des Tierarztes, weil CBD theoretisch die Metabolisierung anderer Wirkstoffe über Leberenzyme beeinflussen kann. Als ergänzende Unterstützung bei Alltagsbeschwerden älterer Pferde ist CBD in der Regel gut integrierbar, sollte aber nie als Ersatz für eine tierärztlich verordnete Therapie missverstanden werden.
Fazit
CBD für Pferde ist keine Modeerscheinung, sondern eine biologisch gut begründete Ergänzung mit einem realistischen Anwendungsspektrum. Pferde besitzen ein vollständiges Endocannabinoidsystem mit CB1 und CB2 Rezeptoren in Nerven, Immunsystem, Darm, Haut und Gelenken, und genau dort greifen die dokumentierten Wirkprofile von CBD an. Die direkte Studienlage am Pferd ist überschaubar, die pharmakokinetischen Eckdaten sind solide, und die klinische Wirksamkeit ist in Hund und Mensch belegt.
Entscheidend bleibt der nüchterne Umgang. Niedrig starten, zwei Wochen konsistent geben, ehrlich beobachten und in Kombination mit Medikamenten, bei trächtigen Stuten, bei Jungpferden und bei Turnierstartern den Tierarzt einbeziehen. Wer diese Leitplanken einhält, bekommt mit CBD eine ruhige Routineergänzung, die bei vielen Pferden einen spürbaren Unterschied im Alltag macht, ohne den Platz einer tierärztlichen Therapie einzunehmen.
Weiterlesen auf CBDNOL
Localisation of Cannabinoid and Cannabinoid-Related Receptors in the Horse Ileum
Journal of Equine Veterinary Science, 104, 103688
PMID: 34416995 · DOI: 10.1016/j.jevs.2021.103688
Erste systematische immunhistochemische Kartierung des Endocannabinoidsystems im Pferdedarm. Die Autoren wiesen CB1 und CB2 Rezeptoren sowie die Co Rezeptoren TRPA1, PPARalpha und 5 HT1a auf Epithelzellen, enterischen Nervenzellen, Immunzellen und glatter Darmmuskulatur im Ileum von sechs gesunden Pferden nach. Damit ist die anatomische Grundlage geliefert, warum CBD bei pferdetypischen Verdauungsthemen wie Kotwasser, Stresskolitis oder chronischer Darmentzündung als Ergänzung diskutiert wird. Diese Arbeit ersetzt im Kontext äquiner ECS Forschung die früher häufig zitierte, aber für Pferde nicht korrekt zugeordnete Dall'Aglio 2010 Referenz.
Quelle ansehen (PubMed)Pharmacokinetics and effects on arachidonic acid metabolism of low doses of cannabidiol following oral administration to horses
Drug Testing and Analysis, 13(7), 1305 bis 1317
PMID: 33723919 · DOI: 10.1002/dta.3028
Pharmakokinetische Studie an trainierenden Vollblütern mit oraler CBD Gabe in Sesamöl bei 0,5, 1 und 2 mg pro kg Körpergewicht im Cross Over Design. Die Arbeit liefert drei für diesen Artikel zentrale Daten: Erstens belegt sie, dass orale CBD Gabe beim Pferd gut verträglich ist. Zweitens dokumentiert sie die dosisabhängige, aber insgesamt eher niedrige orale Bioverfügbarkeit, was die praktische Dosisdiskussion im Artikel trägt. Drittens zeigt der ex vivo Teil eine messbare Wirkung auf die Arachidonsäure Biomarker der Entzündung, was den mechanistischen Hintergrund für die häufig berichtete Wirkung bei Muskel und Gelenkthemen liefert. Die Gruppe um Knych in Davis hat diese Arbeit in späteren Studien am Seniorpferd und an ruhenden Warmblütern ergänzt.
Quelle ansehen (PubMed)Pharmacokinetics, Safety, and Clinical Efficacy of Cannabidiol Treatment in Osteoarthritic Dogs
Frontiers in Veterinary Science, 5, 165
PMID: 30083539 · DOI: 10.3389/fvets.2018.00165
Placebokontrollierte, verblindete Cross Over Studie an 16 Hunden mit Osteoarthrose am Cornell University College of Veterinary Medicine. 2 mg CBD pro kg Körpergewicht zweimal täglich über vier Wochen führten zu signifikant niedrigeren Schmerz Scores und höherer Alltagsaktivität, ohne relevante Nebenwirkungen. Als nächstverwandter Großsäuger mit vergleichbarer ECS Architektur ist der Hund die wichtigste klinische Übertragungsquelle für das Pferd. Die Studie ist damit der zentrale wissenschaftliche Beleg für die Artikelaussage, dass CBD bei Gliederschmerzen und altersbedingter Arthrose eine sinnvolle Ergänzung sein kann, auch wenn äquivalente Wirksamkeitsstudien am Pferd noch fehlen. Bei allen Hunden wurde eine reversible Erhöhung der alkalischen Phosphatase beobachtet, was die Empfehlung zu Leberwertkontrollen bei Dauergabe trägt.
Quelle ansehen (PubMed)Randomized blinded controlled clinical trial to assess the effect of oral cannabidiol administration in addition to conventional antiepileptic treatment on seizure frequency in dogs with intractable idiopathic epilepsy
Journal of the American Veterinary Medical Association, 254(11), 1301 bis 1308
PMID: 31067185 · DOI: 10.2460/javma.254.11.1301
Randomisierte, verblindete, placebokontrollierte klinische Studie am Colorado State University College of Veterinary Medicine. Über zwölf Wochen erhielten therapieresistente epileptische Hunde zusätzlich zur konventionellen Antiepileptika Therapie CBD oral. In der CBD Gruppe reduzierte sich die monatliche Anfallshäufigkeit im Median um 33 Prozent gegenüber der Placebogruppe. CBD war bei dieser Dosierung über zwölf Wochen gut verträglich, zeigte aber signifikant erhöhte Werte der alkalischen Phosphatase im Serum, die nach Absetzen reversibel waren. Für den Pferde Kontext wichtig: Diese Studie ist der veterinärmedizinische Sicherheitsstandard für Dauergabe und liefert den direkten wissenschaftlichen Hintergrund für die Empfehlung, bei Kombination mit anderen Medikamenten oder bei Senior Pferden mit eingeschränkter Leberfunktion den Tierarzt in die Dosierung einzubeziehen.
Quelle ansehen (PubMed)Modulating the endocannabinoid system in human health and disease: successes and failures
FEBS Journal, 280(9), 1918 bis 1943
PMID: 23551849 · PMCID: PMC3684164 · DOI: 10.1111/febs.12260
Umfassender Review der Arbeitsgruppe am National Institutes of Health zur Funktion und therapeutischen Modulation des Endocannabinoidsystems bei Säugetieren. Die Autoren beschreiben im Detail die Verteilung von CB1 und CB2 Rezeptoren, die Rolle der endogenen Liganden und die Signalwege, über die CBD und andere Cannabinoide entzündungshemmend, schmerzmodulierend und immunregulierend wirken. Als Querschnitts Review bildet diese Arbeit den physiologischen Bezugsrahmen für alle säugetierbasierten Anwendungen, einschließlich der Übertragung vom Hund auf das Pferd. Sie ist die Grundlage dafür, warum CBD bei einer so breiten Themenliste, von Stress und Angst über Gelenkschmerzen bis zu Magen Darm Themen und Hautreizungen, mechanistisch begründbar eingesetzt werden kann.
Quelle ansehen (PubMed Central)Cannabidiol as a Potential Treatment for Anxiety Disorders
Neurotherapeutics, 12(4), 825 bis 836
PMID: 26341731 · PMCID: PMC4604171 · DOI: 10.1007/s13311-015-0387-1
Grundlegender pharmakologischer Review zu CBDs angstlösenden Mechanismen. CBD aktiviert 5 HT1A Serotoninrezeptoren und moduliert CB1 Rezeptoren im limbischen System, wodurch die Amygdala Aktivität gedämpft und die Stressantwort des Nervensystems reduziert wird. Pferde sind Fluchttiere mit einem besonders sensiblen limbischen System, und jüngere Arbeiten haben sowohl CB1 als auch CB2 Rezeptoren im lateralen Kern der Pferdeamygdala nachgewiesen. Damit ist der in diesem Artikel beschriebene Mechanismus für Alltagsanwendungen wie Verladen, Hufschmiedtermin, Turniertransport oder Headshaking mit trigeminaler Komponente direkt aus der Literatur begründbar.
Quelle ansehen (PubMed Central)An Update on Safety and Side Effects of Cannabidiol: A Review of Clinical Data and Relevant Animal Studies
Cannabis and Cannabinoid Research, 2(1), 139 bis 154
PMID: 28861514 · PMCID: PMC5569602 · DOI: 10.1089/can.2016.0034
Umfassender Sicherheitsreview des nova Instituts auf Basis klinischer Human und präklinischer Tierdaten. CBD ist in moderaten Dosen sehr gut verträglich, ohne Missbrauchs oder Abhängigkeitspotenzial und ohne psychoaktive Effekte. Für den Pferde Kontext wichtig: Die Autoren diskutieren explizit potenzielle Wechselwirkungen über Cytochrom P450 Enzyme in der Leber. Das ist die Begründung dafür, warum bei gleichzeitiger Gabe von Phenylbutazon, Firocoxib, Antiepileptika oder Schilddrüsenpräparaten die Kombination mit dem Tierarzt besprochen werden sollte. Die milden, reversiblen Nebenwirkungen wie Müdigkeit und weicher Kot bei zu hoher Dosierung sind direkt auf die Pferdesituation übertragbar.
Quelle ansehen (PubMed)
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