Die Cannabispflanze beherbergt mehr als 113 unterschiedliche Cannabinoide. Zwei davon sind weit über die Pflanzenwelt hinaus bekannt geworden: Cannabidiol (CBD) und Delta 9 Tetrahydrocannabinol (THC). Beide stammen aus derselben Pflanze, beide wirken auf das körpereigene Endocannabinoid System, und doch könnten ihre Effekte unterschiedlicher kaum sein. Im folgenden Beitrag werfen wir einen genauen Blick auf die Gemeinsamkeiten und vor allem auf die entscheidenden Unterschiede.
Inhaltsverzeichnis
Was sind CBD und THC?
Beide Verbindungen gehören zur Stoffklasse der Phytocannabinoide. Sie entstehen in den Drüsenhaaren der weiblichen Hanfpflanze und sind die zwei am intensivsten erforschten Wirkstoffe der Cannabis Sativa.
THC (Delta 9 Tetrahydrocannabinol)
THC ist der zentrale psychoaktive Wirkstoff der Cannabispflanze. Es wurde erstmals 1964 in Israel von Raphael Mechoulam und Yechiel Gaoni in reiner Form isoliert und damit als jenes Molekül identifiziert, das den klassischen Rauschzustand auslöst. THC dockt direkt am CB1 Rezeptor des Gehirns an und sorgt dort unter anderem für eine vermehrte Ausschüttung von Dopamin. Genau diese Bindung erklärt das typische High Gefühl.1
CBD (Cannabidiol)
CBD ist der bekannteste nicht psychoaktive Pflanzenstoff der Hanfpflanze. Bereits 1940 wurde CBD von Roger Adams an der University of Illinois isoliert, die vollständige chemische Struktur konnte 1963 ebenfalls von Mechoulam aufgeklärt werden. Anders als THC bindet CBD nicht direkt an den CB1 Rezeptor, sondern wirkt dort als negativer allosterischer Modulator. Es verändert also die Aktivität des Rezeptors, ohne ihn selbst zu aktivieren.1
Mehr Hintergrundwissen rund um die Eigenschaften des Cannabinoids finden Sie in unserem ausführlichen CBD E-Book sowie in unserem Beitrag Was ist CBD?.
Die Hauptunterschiede im Überblick
Auf den ersten Blick wirken CBD und THC wie nahe Verwandte, beide stammen aus derselben Pflanze und besitzen sogar dieselbe Summenformel. Sobald man jedoch ihre Wirkung im Körper, ihre rechtliche Einordnung und ihre Anwendungsfelder vergleicht, treten die Unterschiede deutlich zutage.
| Eigenschaft | CBD | THC |
|---|---|---|
| Psychoaktive Wirkung | Nicht psychoaktiv, kein Rauschgefühl | Stark psychoaktiv, klassisches High |
| Bindung am CB1 Rezeptor | Negativer allosterischer Modulator | Voller Agonist mit hoher Affinität |
| Pflanzliche Quelle | Überwiegend EU zertifizierter Nutzhanf | Marihuana mit hohem Cannabinoidanteil |
| Rechtliche Einordnung in Deutschland | Frei erhältlich, max. 0,3 Prozent THC im Endprodukt | Verschreibungspflichtig, im Konsum eingeschränkt |
| Suchtpotenzial nach WHO | Kein bekanntes Abhängigkeitspotenzial | Abhängigkeitspotenzial vorhanden |
| Drogentest (Routine) | Schlägt in der Regel nicht an | Wird in Speichel, Blut und Urin nachgewiesen |
Chemische Struktur und Wirkmechanismus
Was viele überrascht: CBD und THC besitzen exakt dieselbe Summenformel C₂₁H₃₀O₂ und ein identisches Molekulargewicht von 314,46 Gramm pro Mol. Sie sind also Isomere. Der Unterschied liegt allein in der räumlichen Anordnung einzelner Atome.2
Diese kleine geometrische Verschiebung wirkt sich aber massiv auf die Bindungseigenschaften aus. Während THC mit seinem Aufbau perfekt in die Bindungstasche des CB1 Rezeptors passt und dort wie ein passender Schlüssel das Schloss öffnet, gleicht CBD eher einem Schlüssel, der zwar in das Schloss passt, es aber nicht aufsperrt. Stattdessen verändert es die Form des Schlosses ein wenig, was das Verhalten gegenüber anderen Schlüsseln beeinflusst.
Genau dieser Mechanismus erklärt, warum CBD die Wirkung von THC abmildern kann. Studien deuten darauf hin, dass CBD die psychoaktive Intensität und auch die angstauslösende Komponente von THC reduziert.
„Beide Cannabinoide stammen aus derselben Pflanze, doch ihre Wirkung im Gehirn ist grundverschieden. THC bindet aktiv am CB1 Rezeptor und löst dadurch den Rausch aus, während CBD den Rezeptor nur sanft moduliert und keine Bewusstseinsveränderung verursacht. Das ist der eigentliche Schlüssel zum Verständnis.“
Wirkung im Endocannabinoid System
Das Endocannabinoid System (ECS) wurde Ende der 1980er Jahre entdeckt und gilt heute als eines der bedeutendsten regulatorischen Netzwerke des menschlichen Körpers. Es sorgt dafür, dass innere Vorgänge wie Schlaf, Appetit, Schmerzwahrnehmung, Stimmung, Gedächtnis, Immunfunktion und sogar die Fortpflanzung im Gleichgewicht bleiben. Wissenschaftler sprechen in diesem Zusammenhang gerne von Homöostase.3
Das ECS besteht im Wesentlichen aus drei Komponenten:
- Endocannabinoide wie Anandamid und 2-AG, die der Körper selbst herstellt
- Rezeptoren, vor allem CB1 (zentrales Nervensystem) und CB2 (Immunsystem, Peripherie)
- Enzyme, die diese Botenstoffe aufbauen und wieder abbauen
THC ahmt die Wirkung von Anandamid sehr exakt nach und aktiviert dadurch CB1 Rezeptoren im Gehirn. Das Belohnungssystem reagiert mit Dopaminausschüttung, was kurzfristig Wohlgefühl, aber auch eine veränderte Wahrnehmung erzeugt. CBD hingegen interagiert eher indirekt mit dem ECS. Es hemmt etwa den Abbau körpereigener Endocannabinoide und beeinflusst zusätzlich Serotonin Rezeptoren, die für Stimmung und Angst eine wichtige Rolle spielen.4
Anwendungsgebiete und Forschungsstand
Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Cannabinoiden steht trotz jahrzehntelanger Forschung noch immer am Anfang. Erste klinische Studien deuten jedoch darauf hin, dass beide Stoffe für unterschiedliche Anwendungsbereiche interessant sind. Besonders bei CBD wächst die Anzahl der Untersuchungen rapide.
Bereiche, in denen CBD aktuell intensiv erforscht wird:
- Begleitung bei Angstzuständen und stressbedingten Beschwerden4
- Unterstützung des Schlafverhaltens und der inneren Ruhe
- Therapieresistente kindliche Epilepsieformen wie das Dravet Syndrom, hier sogar mit zugelassenem Arzneimittel5
- Entzündliche Prozesse und chronische Schmerzen
- Begleitung bei posttraumatischer Belastungsstörung
THC wird in der medizinischen Anwendung vor allem bei chronischen Schmerzen, schweren Spastiken (zum Beispiel bei Multipler Sklerose), Übelkeit infolge einer Chemotherapie oder bei starkem Appetitverlust eingesetzt. In Deutschland ist medizinisches Cannabis seit 2017 verschreibungsfähig.
Wer sich für die alltäglichen Vorteile von CBD interessiert, findet in unserem Beitrag Vorteile von CBD Öl einen vertiefenden Überblick.
Rechtslage in Deutschland und der EU
THC unterliegt in den meisten Ländern dem Betäubungsmittelrecht. In Deutschland ist es seit dem Konsumcannabisgesetz aus April 2024 zwar in begrenzten Mengen für Erwachsene zum Eigenkonsum erlaubt, der freie Handel bleibt jedoch ausgeschlossen.
CBD wird rechtlich völlig anders bewertet. Die Weltgesundheitsorganisation hat in ihrem Bericht von 2018 klar festgehalten, dass CBD weder psychoaktive Effekte zeigt noch Missbrauchs oder Suchtpotenzial besitzt. Die WHO empfahl daher, CBD nicht unter internationale Suchtmittelkonventionen zu stellen.7
In Deutschland sind CBD Produkte als sogenannte Hanfprodukte legal erhältlich, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:
- Verwendung von EU zertifiziertem Nutzhanf (geführt im EU Sortenkatalog)
- Maximaler THC Gehalt im Endprodukt von 0,3 Prozent (seit der Reform durch das Cannabisgesetz im April 2024, zuvor lag der Grenzwert bei 0,2 Prozent)
- Keine Bewerbung als Arzneimittel oder mit Heilversprechen
Die Rechtslage in Österreich und der Schweiz ist ähnlich liberal aufgebaut. In Österreich gilt ein Anbau Grenzwert von 0,3 Prozent THC, in der Schweiz sogar 1,0 Prozent. Wer CBD über Grenzen hinweg mitführen möchte, sollte sich daher vor einer Reise stets über die jeweilige nationale Regelung informieren.
Wer wissen möchte, ob ein Drogentest auf CBD anschlagen kann, findet eine ausführliche Antwort in unserem Beitrag CBD und Drogentest.
Einnahme, Dosierung und Sicherheit
Sowohl CBD als auch THC sind in vielfältigen Darreichungsformen verfügbar. Üblich sind Öle, Tinkturen, Kapseln, Sprays, Vape Liquids, Kosmetik oder Hanf Lebensmittel. Bei CBD Öl hat sich die sublinguale Einnahme bewährt: einige Tropfen unter die Zunge geben, dort etwa 30 bis 60 Sekunden halten und anschließend schlucken. So gelangt der Wirkstoff über die Mundschleimhaut direkt in den Blutkreislauf.
Eine universelle Dosierungsempfehlung für CBD existiert nicht, denn jeder Mensch reagiert anders. Empfehlenswert ist ein langsamer Start mit einer kleinen Menge, etwa zwei bis drei Tropfen eines fünfprozentigen Öls, und eine schrittweise Anpassung über mehrere Tage hinweg. Hilfreiche Hinweise dazu liefert unser Ratgeber zur richtigen Dosierung von CBD Öl.
Was die Sicherheit betrifft: Eine echte Überdosierung im klassischen Sinn ist bei beiden Stoffen nicht dokumentiert. Bei CBD liegt das vor allem an seiner sehr geringen Toxizität. Studien beschreiben das Cannabinoid als generell gut verträglich. Mögliche unerwünschte Begleiterscheinungen sind ein leicht trockener Mund, Müdigkeit oder geringe Veränderungen des Appetits.6
Wichtig zu wissen: CBD kann den Abbau bestimmter Medikamente in der Leber beeinflussen, da es mit Enzymen der Cytochrom P450 Familie interagiert. Wer regelmäßig Arzneimittel einnimmt, sollte die Anwendung daher mit dem behandelnden Arzt abstimmen.
Weiterlesen im CBDNOL Magazin
Häufige Fragen zu CBD und THC
Sind CBD und THC chemisch wirklich gleich?
Ja, beide besitzen die gleiche Summenformel C₂₁H₃₀O₂ und das gleiche Molekulargewicht. Der Unterschied liegt ausschließlich in der räumlichen Anordnung einzelner Atomgruppen. Genau diese Geometrie entscheidet aber, ob ein Cannabinoid den CB1 Rezeptor im Gehirn aktiviert oder ihn lediglich moduliert.
Kann CBD die Wirkung von THC abschwächen?
Mehrere Untersuchungen liefern Hinweise darauf, dass CBD die psychoaktive Wirkung von THC dämpfen kann, indem es als negativer allosterischer Modulator am CB1 Rezeptor agiert. In klinischen Studien zeigte sich beispielsweise, dass CBD die durch THC ausgelösten Angst und Paranoia Symptome mildern kann.
Macht CBD süchtig oder verändert es das Bewusstsein?
Nach aktueller Datenlage und nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation aus dem Jahr 2018 besitzt CBD weder psychoaktive Effekte noch ein nennenswertes Abhängigkeitspotenzial. Es verursacht somit weder einen Rauschzustand noch eine körperliche Abhängigkeit.
Warum macht THC high und CBD nicht?
Der Schlüsselfaktor ist die Bindung am CB1 Rezeptor im Gehirn. THC fügt sich dort wie ein perfekter Schlüssel ein, aktiviert den Rezeptor stark und löst eine Dopaminausschüttung aus. CBD bindet zwar an dieselbe Bindungstasche, aktiviert sie jedoch nicht und kann sogar die Wirkung von THC abschwächen. Aus diesem Grund ist CBD nicht psychoaktiv.
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