CBG, ausgeschrieben Cannabigerol, ist eines der weniger bekannten Cannabinoide der Hanfpflanze. Der Reiz liegt nicht im Rausch, denn CBG wirkt nicht psychoaktiv, sondern in seiner Rolle als chemische Vorstufe vieler anderer Cannabinoide und in einer Reihe vorklinischer Befunde zu Entzündung, Nervenschutz und Augeninnendruck. Der folgende Beitrag ordnet ein, was CBG ist, wie es im Körper wirkt und wo die Forschung aktuell wirklich steht.
Inhaltsverzeichnis 7 Abschnitte
- Was ist CBG (Cannabigerol)?
- CBGA: das Mutter-Cannabinoid
- Wie CBG im Körper interagiert
- CBG, CBD und THC im direkten Vergleich
- Aktuelle Forschungslage zu CBG
- Wo CBG vorkommt und wie es gewonnen wird
- Anwendung von CBG-Produkten
- Fazit auf einen Blick
- Häufige Fragen rund um CBG
- Was ist der Unterschied zwischen CBG und CBD?
- Macht CBG high oder fällt es im Drogentest auf?
- Wie wird CBG eingenommen und welche Dosierung ist üblich?
- Ist CBG in Deutschland und Österreich legal?
Was ist CBG (Cannabigerol)?
Cannabigerol, abgekürzt CBG, ist ein Phytocannabinoid, das in der Hanfpflanze (Cannabis sativa) vorkommt. Es wurde 1964 erstmals von dem israelischen Chemiker Raphael Mechoulam und seinem Team an der Hebrew University of Jerusalem isoliert, im selben Jahr also, in dem auch THC entdeckt wurde. Anders als THC wirkt CBG nicht berauschend. Bisher sind über 100 Cannabinoide in der Pflanze beschrieben, darunter THC, CBD, CBN, CBC und eben CBG.8
Was CBG aus pharmakologischer Sicht interessant macht, ist nicht zuletzt die Stelle, an der es in der Cannabinoid-Biosynthese sitzt. Es ist die Ausgangsverbindung, aus der nahezu alle anderen Cannabinoide der Pflanze hervorgehen. In der Fachliteratur wird CBG deshalb gelegentlich als Mutter-Cannabinoid bezeichnet, ein bildlicher, aber treffender Begriff.1
Nicht psychoaktiv
CBG erzeugt keine THC-typische Rauschwirkung und wird im pharmakologischen Sinn als nicht psychotropes Cannabinoid eingeordnet.
Vorstufe vieler Cannabinoide
Aus CBGA, der sauren Form von CBG, entstehen in der Pflanze enzymatisch THC, CBD und CBC.
Erstmals 1964 isoliert
Mechoulam und Gaoni beschrieben CBG erstmals in einer Arbeit zur chemischen Struktur von Haschisch-Inhaltsstoffen.
Geringe Konzentration
In ausgereiften Cannabis-Pflanzen beträgt der CBG-Anteil meist unter 1 Prozent, weil das meiste bereits in andere Cannabinoide umgewandelt wurde.
CBGA: das Mutter-Cannabinoid
Um zu verstehen, warum CBG so eine besondere Rolle spielt, hilft ein kurzer Blick in die Biochemie der Pflanze. Cannabis bildet seine Wirkstoffe in spezialisierten Drüsenhaaren, den Trichomen. Dort entsteht zuerst Cannabigerolsäure, abgekürzt CBGA. Im Verlauf der Pflanzenreife wandeln Enzyme diese Vorstufe in andere saure Cannabinoide um, vor allem in THCA, CBDA und CBCA. Erst durch Trocknen, Härten und Erhitzen, der sogenannten Decarboxylierung, werden daraus die heute bekannten Endformen THC, CBD und CBC.18
Genau aus diesem Grund findet sich in einer reifen Pflanze meist nur noch ein kleiner Rest CBGA und damit auch CBG. Der größere Teil wurde bereits in andere Cannabinoide umgesetzt. Wer höhere CBG-Mengen ernten will, muss entweder früher schneiden, also bevor die Umwandlung weit fortgeschritten ist, oder gezielt sogenannte High-CBG-Sorten anbauen, in denen die Umwandlung durch Züchtung verlangsamt oder ganz unterbunden wurde.
Cannabigerol entsteht als einer der ersten Bausteine in der Hanfpflanze und ist die Substanz, aus der sich praktisch alle anderen großen Cannabinoide entwickeln. Allein deshalb verdient CBG einen genaueren Blick.
Wie CBG im Körper interagiert
Wie alle Phytocannabinoide wirkt CBG über das Endocannabinoid-System, ein körpereigenes Regulationsnetz aus Rezeptoren, Botenstoffen und Enzymen, das an Schmerzempfinden, Schlaf, Appetit, Entzündungsregulation und vielem mehr beteiligt ist. Die zentralen Andockstellen sind die Rezeptoren CB1 (vor allem im Nervensystem) und CB2 (vor allem im Immunsystem). Mehr zum Gesamtsystem haben wir in unserem Beitrag Was sind Cannabinoide? zusammengefasst.
CBG verhält sich an diesen Rezeptoren anders als CBD oder THC. Studien aus der Arbeitsgruppe um Navarro zeigen, dass CBG als partieller Agonist sowohl an CB1 als auch an CB2 wirkt und zusätzlich an sogenannten CB1-CB2-Heterorezeptor-Komplexen ansetzt.2 Praktisch bedeutet das: CBG kann die Wirkung anderer Cannabinoide modulieren, also abschwächen oder gerichtet verändern. In Modellen gibt es Hinweise, dass CBG die psychotropen Effekte von THC mildern kann, indem es CB1-vermittelte Signale reguliert.
Daneben spricht CBG auch sogenannte TRP-Kanäle an, eine Familie von Sensorproteinen für Hitze, Kälte und Schmerz. Diese Wechselwirkungen, vor allem mit TRPM8, TRPA1 und TRPV1, gelten als wichtiger Ansatzpunkt für mögliche entzündungshemmende und schmerzdämpfende Effekte und werden in der Forschung aktiv untersucht.3
CBG, CBD und THC im direkten Vergleich
Wer das erste Mal mit Cannabinoiden in Kontakt kommt, verwechselt CBG, CBD und THC schnell. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Unterschiede in Herkunft, Wirkprofil und rechtlichem Status.
| Eigenschaft | CBG | CBD | THC |
|---|---|---|---|
| Vollname | Cannabigerol | Cannabidiol | Tetrahydrocannabinol |
| Psychoaktiv? | nein | nein | ja, berauschend |
| Anteil in der Pflanze | unter 1 % | 10 bis 25 % | variabel, gesetzl. begrenzt |
| Stellung im Stoffwechsel | Vorstufe der anderen | Endprodukt aus CBDA | Endprodukt aus THCA |
| Hauptangriffspunkte | CB1, CB2, TRP-Kanäle | indirekt, ECS-Modulation | CB1 (zentral) |
| Rechtlicher Status (DE/AT) | frei verkäuflich | frei verkäuflich | stark reguliert |
Wichtigste Unterschiede der drei bekanntesten Cannabinoide. Werte sind typische Größenordnungen aus Nutzhanf-Sorten.
Aktuelle Forschungslage zu CBG
Bevor es konkret wird, gehört ein Hinweis vorweg: Der größte Teil der CBG-Forschung stammt aus präklinischen Studien, also aus Versuchen an Zelllinien oder im Tiermodell. Belastbare klinische Studien am Menschen sind bislang die Ausnahme. Die Befunde sind interessant, aber sie erlauben noch keine medizinischen Versprechen.
Entzündung und Darm
Eine vielzitierte präklinische Arbeit aus dem Jahr 2013 untersuchte CBG in einem Mausmodell der entzündlichen Darmerkrankung. Die Tiere zeigten unter CBG eine reduzierte Darmschädigung, weniger oxidativen Stress und niedrigere Entzündungsmarker.6 Das ist kein Beweis für eine Wirkung beim Menschen, aber ein erster Anhaltspunkt, der die weitere Forschung an chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa motiviert hat.
Nervensystem und Neuroprotektion
CBG bei Huntington in zwei Mausmodellen
Eine Forschergruppe der Universidad Complutense Madrid untersuchte CBG in zwei verschiedenen Mausmodellen der Huntington-Krankheit. CBG verbesserte motorische Defizite und reduzierte den Nervenzellverlust. Außerdem beeinflusste es die Aktivität bestimmter Gene, die mit der Erkrankung verbunden sind.4
CBG-Derivat bei chronischer Multipler Sklerose
In einem chronischen MS-Modell zeigte ein CBG-Chinon-Derivat Hinweise auf eine reduzierte Neuroinflammation. Bestimmte Gene mit Bezug zur Krankheitsaktivität wurden verändert.5 Untersucht wurde nicht reines CBG, sondern eine chemisch modifizierte Variante.
Zellforschung zu Tumoren
Eine Arbeit italienischer Forscher aus dem Jahr 2014 zeigte in einem In-vitro- und In-vivo-Modell zu Darmkrebs, dass CBG das Wachstum von Tumorzellen über die TRPM8-Achse hemmen kann.3 Solche Ergebnisse aus Zellkulturen und Mäusen sind weit entfernt von einer klinischen Anwendung. Sie sind interessant für die Grundlagenforschung, beweisen aber keine Krebshemmung beim Menschen, dazu sind klinische Studien notwendig.
Auge und Augeninnendruck
Cannabinoide insgesamt werden seit Jahrzehnten in der Augenheilkunde diskutiert, weil sie den Augeninnendruck senken können, der bei Glaukom eine zentrale Rolle spielt. Eine Übersichtsarbeit von Cairns et al. fasst zusammen, dass CB1- und CB2-Rezeptoren im Auge nachgewiesen sind und Cannabinoide den Kammerwasserabfluss beeinflussen.7 Trotz dieses Mechanismus ist Cannabis derzeit kein Standard in der Glaukomtherapie, weil etablierte Augentropfen länger und gleichmäßiger wirken.
Bio CBG Öl Naturextrakt
CBG-Öl auf Basis von kaltgepresstem Bio-Hanfsamenöl, erhältlich mit 5 % (500 mg) oder 10 % (1000 mg) Cannabigerol. Aus EU-zertifiziertem Bio-Anbau in Österreich, schonend extrahiert und unabhängig laborgeprüft auf Reinheit und Cannabinoid-Gehalt.
- 500 mg oder 1000 mg CBG je 10-ml-Flasche
- Auf Bio-Hanfsamenöl-Basis, vegan
- Weniger als 0,01 % THC, keine psychoaktive Wirkung
- Vollspektrum, 100 % decarboxyliert
Wo CBG vorkommt und wie es gewonnen wird
Da reifer Industriehanf meist weniger als ein Prozent CBG enthält, sind hochwertige CBG-Produkte aufwendiger herzustellen als klassisches CBD. Drei Wege haben sich in der Praxis durchgesetzt.
Erstens die frühere Ernte. Wird Hanf etwa drei Viertel des regulären Erntezyklus gelassen und dann geschnitten, ist die Umwandlung von CBGA in andere Cannabinoide noch nicht abgeschlossen, der CBG-Anteil ist höher als bei vollreifer Pflanze. Eine Untersuchung an einer medizinischen Sorte aus den Niederlanden zeigte zum Beispiel den höchsten CBG-Gehalt in Woche sechs der achtwöchigen Vegetation.
Zweitens die gezielte Züchtung sogenannter High-CBG-Sorten. Hier wurden Pflanzen so selektiert, dass die Enzyme, die CBGA in THCA, CBDA oder CBCA umwandeln, weniger aktiv sind. Das Ergebnis sind Sorten, die deutlich höhere CBG-Konzentrationen aufweisen.
Drittens die nachträgliche Anreicherung im Labor. Aus dem Vollspektrum-Extrakt der Pflanze lässt sich CBG gezielt isolieren oder aus seinen Vorstufen herstellen. So entstehen die heute am Markt verfügbaren CBG-Öle und CBG-Isolate. Wer mehr zu Cannabinoiden als Stoffgruppe lesen möchte, dem sei unser Beitrag CBG Öl und CBG Blüten im Vergleich empfohlen, in unserer CBG-Öl-Sammlung sowie unter CBG-Blüten finden Sie die aktuell erhältlichen Produkte.
Anwendung von CBG-Produkten
Die häufigste Form auf dem Markt ist CBG-Öl, also ein Trägeröl, in der Regel Hanfsamen- oder MCT-Öl, dem ein definierter Anteil CBG zugesetzt wird. Übliche Konzentrationen sind 5, 10 oder 20 Prozent. Daneben gibt es CBG-Blüten zur Verdampfung, CBG-Kristalle (reines Isolat) sowie Kombinationsprodukte mit CBD.
Sublinguale Anwendung beim CBG-Öl
CBG-Öl wird üblicherweise tropfenweise unter die Zunge gegeben und dort 60 bis 90 Sekunden gehalten, bevor man schluckt. Über die Mundschleimhaut wird ein Teil des Wirkstoffs direkt aufgenommen. Sinnvoll ist eine niedrige Einstiegsdosis, etwa zwei bis drei Tropfen, die langsam gesteigert wird. Bei der Einnahme von Medikamenten oder bei chronischen Erkrankungen vorab ärztlich abklären.
Konkrete Standard-Dosierungen für CBG gibt es bislang nicht, schlicht weil belastbare Studiendaten am Menschen fehlen. In der Praxis orientieren sich viele Anwender an CBD-Dosierungen, mit denen sich CBG strukturell vergleichen lässt. Sinnvoll ist immer der Einstieg mit einer kleinen Menge, die individuelle Verträglichkeit über mehrere Tage zu beobachten und langsam zu titrieren.
Fazit auf einen Blick
Das Wichtigste in fünf Punkten
- CBG ist ein nicht psychoaktives Cannabinoid und die chemische Vorstufe vieler bekannter Cannabinoide wie THC, CBD und CBC.
- Es bindet an CB1- und CB2-Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems sowie an TRP-Kanäle und kann die Wirkung anderer Cannabinoide modulieren.
- Aktuelle Forschung zu Entzündung, Nervenzellschutz und Augeninnendruck stammt überwiegend aus präklinischen Studien an Zellen und Tieren.
- In ausgereiften Pflanzen liegt der CBG-Anteil meist unter 1 Prozent, deshalb braucht es frühe Ernte oder spezielle Züchtungen für nennenswerte Mengen.
- Verfügbar sind Öle, Blüten, Isolate und Kombiprodukte mit CBD. Eingenommen wird meist sublingual mit einer niedrigen Startdosis.
Häufige Fragen rund um CBG
Was ist der Unterschied zwischen CBG und CBD?
Beide sind nicht psychoaktive Cannabinoide aus der Hanfpflanze, unterscheiden sich aber in zwei wichtigen Punkten. Erstens in der biochemischen Stellung: CBG ist die Vorstufe, aus der unter anderem CBD entsteht. CBD ist eines der Endprodukte. Zweitens in der pharmakologischen Wirkung: CBG bindet direkt und partiell an CB1 und CB2 sowie an TRP-Kanäle, CBD wirkt eher indirekt und moduliert das Endocannabinoid-System auf andere Weise. Praktisch heißt das: CBG-Produkte sind seltener und teurer, CBD-Produkte verbreiteter und meist günstiger. Ob das eine oder das andere besser passt, hängt von der individuellen Erfahrung und vom Anwendungsziel ab.
Macht CBG high oder fällt es im Drogentest auf?
CBG selbst ist nicht psychoaktiv und führt nicht zu einem Rausch wie THC. Drogentests, die in Deutschland und Österreich üblicherweise eingesetzt werden, suchen gezielt nach THC oder dessen Abbauprodukt THC-COOH, nicht nach CBG. Reine CBG-Produkte schlagen im Test daher in der Regel nicht an. Vorsicht ist aber angebracht bei Vollspektrum-Produkten: Diese enthalten neben CBG auch geringe Mengen THC im legalen Rahmen, was bei sehr hohen Dosen oder ungünstiger Einnahme im Einzelfall zu einem positiven Test führen kann. Wer beruflich regelmäßig getestet wird, sollte bei CBD- oder CBG-Vollspektrum-Produkten besondere Vorsicht walten lassen oder zu THC-freien Isolat-Varianten greifen. Mehr dazu in unserem Beitrag CBD und Drogentest.
Wie wird CBG eingenommen und welche Dosierung ist üblich?
Die häufigste Anwendungsform ist CBG-Öl, das tropfenweise unter die Zunge gegeben und 60 bis 90 Sekunden im Mund gehalten wird. Allgemeingültige Dosierungsempfehlungen gibt es noch nicht, weil belastbare klinische Studien am Menschen fehlen. In der Praxis hat sich der vorsichtige Einstieg bewährt: zwei bis drei Tropfen eines 5-prozentigen CBG-Öls ein- bis zweimal täglich, die individuelle Verträglichkeit über fünf bis sieben Tage beobachten und die Dosis bei Bedarf langsam erhöhen. Wer Medikamente einnimmt oder chronisch erkrankt ist, sollte die Anwendung vorab mit einem Arzt besprechen, da Cannabinoide den Abbau einiger Wirkstoffe in der Leber beeinflussen können.
Ist CBG in Deutschland und Österreich legal?
Ja, CBG-Produkte aus zertifiziertem EU-Nutzhanf sind in Deutschland und Österreich legal frei verkäuflich, solange sie die geltenden THC-Grenzwerte nicht überschreiten. In Deutschland gilt seit Januar 2023 ein Grenzwert von 0,3 Prozent THC für Nutzhanf. In Österreich orientiert man sich am EU-Standard von ebenfalls 0,3 Prozent. CBG selbst unterliegt nicht dem Betäubungsmittelgesetz und ist auch nicht in der Liste der psychoaktiven Stoffe geführt. Werbeaussagen mit gesundheitsbezogenen Wirkungen sind allerdings stark reguliert, CBG-Produkte gelten in der EU nicht als Arzneimittel und dürfen nicht mit medizinischen Heilversprechen vertrieben werden.
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